Segelyacht unterwegs auf der Nordsee
Vorbereitung

Sicherheitdie großen Risiken von den kleinen unterscheiden

Risikobewusstsein

Ursache, Folge, Wahrscheinlichkeit und Auswirkung

Das ist eine recht theoretische Betrachtung für etwas, das man zum Vergnügen macht. Aber Sicherheit auf einem längeren Törn ist keine Selbstverständlichkeit, und ein strukturiertes Vorgehen hilft, große von kleinen Risiken zu unterscheiden.

Unser Ziel ist, dass du den wichtigsten Risiken die meiste Aufmerksamkeit gibst. Es beginnt mit der Feststellung, dass eine Folge oft eine neue Ursache ist:

Ursache: ein wenig Wind. Folge: entspanntes Segeln.
Ursache: etwas mehr Wind. Folge: spektakuläres Vorankommen.
Ursache: etwas zu viel Wind. Folge: beginnende Seekrankheit, keine Lust.
Ursache: keine Lust. Folge: einen Moment zu spät gerefft…

Ursachen

  • viel Verkehr, abhängig von der Route;
  • kaltes Wasser, abhängig von Route und Jahreszeit;
  • raues Wetter — es ist Sommer, aber Garantien gibt es nicht;
  • Verlust von Mast oder Kiel, abhängig von Qualität, Inspektion und Erfahrung;
  • Handlungsunfähigkeit durch Unterkühlung;
  • Seekrankheit oder andere Krankheit;
  • Müdigkeit.

Folgen

  • Verlust der Freude an der Reise;
  • kleine Sachschäden am Schiff oder an persönlichem Eigentum;
  • große Sachschäden: Verlust von Kiel, Mast oder Schiff;
  • mittlere Verletzungen, an Bord oder im Krankenhaus behandelbar;
  • schwere Verletzungen mit dauerhaften Folgen;
  • Tod eines Teilnehmers.

Wahrscheinlichkeit und Auswirkung

Das Risiko ist Wahrscheinlichkeit mal Auswirkung. Die Wahrscheinlichkeit steigt mit längerer Exposition — und mehrere Tage auf See sind genau das. Sie steigt auch in einer ungünstigen Jahreszeit und sinkt mit zunehmender Erfahrung, mit Notlösungen an Bord und mit dem Training daran.

Die Auswirkung steigt mit der Entfernung zum sicheren Hafen und bei schwereren Bedingungen. Sie sinkt, wenn du effizient Hilfe rufen kannst — es kommt also auf die Kommunikationsmittel an Bord an.

Beides ist also beeinflussbar. Sobald du ein klares Bild der Risiken hast, kannst du entscheiden, welche Wahrscheinlichkeiten oder Auswirkungen du verringern kannst, und wie.

Illustration zur Sicherheit an Bord

Das Käsescheibenmodell: ein Unfall entsteht erst, wenn alle Barrieren gleichzeitig versagen.

Barrieren

Selten eine einzige Ursache

Ein Unfall auf See ist fast nie die Folge eines einzelnen Fehlers. Meist gibt es mehrere Barrieren, die ihn hätten aufhalten sollen: gutes Material, eine ausgeruhte Crew, klare Absprachen, ein Notfallplan. Erst wenn in all diesen Barrieren ein Loch ist und diese Löcher in dem Moment auf einer Linie liegen, geht es schief.

Das ist eine gute Nachricht: du musst keine einzelne Barriere perfekt machen. Du brauchst nur genug davon.

Sicherheitsausrüstung

Empfangen, senden, gefunden werden

Das GMDSS, das weltweite Seenot- und Sicherheitsfunksystem, kennt drei Hauptregeln. Du musst jederzeit:

  • Sicherheitsmeldungen empfangen können;
  • einen Notruf senden können;
  • gefunden werden können.

Niederländisch geflaggte Schiffe registrieren alle Geräte bei der Rijksinspectie Digitale Infrastructuur (RDI). Maritim bedeutet Registrierung, nicht-maritim bedeutet Genehmigung. Und ein Bedienzeugnis gibt es nicht ohne Grund: wenn es darauf ankommt, musst du das Gerät blind bedienen können.

Die AMRD-Regelung

Seit dem 1. Januar 2025 gilt eine neue Regelung für Autonomous Maritime Radio Devices. Danach müssen AIS-MOB-Bojen einen anderen Kanal als die DSC-Kanäle 1 und 2 nutzen. Das bedeutet, dass ein separater Empfänger nötig ist.

Die Niederlande wenden eine Bestandsschutzregelung an: bestehende DSC-basierte AIS-MOB-Bojen wie die MOB1 von Ocean Signal funktionieren weiter und dürfen auch neue Batterien bekommen. Die PLB3, ein Personal Locating Beacon, fällt nicht unter die AMRD-Regelung: sie sendet auf 406 MHz an Satelliten und nutzt AIS nur als zweites Homing-Signal.

Selbst prüfenVorschriften zur Notsignalisierung ändern sich. Prüfe vor dem Start, was für deine Ausrüstung dann gilt, und bring Zweifel bei der Sicherheitskommission ein.

Der Sicherheitsplan

Ein Sicherheitsplan ist Pflicht: eine Übersichtsskizze mit der Lage aller relevanten Dinge an Bord. Für Mitsegler ist er unverzichtbar. Für Skipper und Stammcrew ist er vielleicht noch wichtiger, weil er sagt, wo die Dinge liegen sollen. Bei Alle Hens gibt es einen Workshop, in dem du den Plan für dein eigenes Schiff erstellst.

Sicherheitsliste und Inspektion

Kategorie offene See

Zur Teilnahme muss dein Schiff die geltende Sicherheitsliste der Kustzeilers erfüllen, Kategorie „offene See“. Für Mehrrümpfer gehen wir von den Offshore Special Regulations von World Sailing aus, Kategorie 1 — auf denen auch die niederländische Liste basiert.

Über die Liste diskutieren wir nicht, aber wir erklären sie gern. Alternative Lösungen sind möglich, sofern sie gut begründet sind und die Sicherheitskommission sie akzeptiert. Niemand ist verpflichtet, die Liste zu erfüllen — sie ist aber Voraussetzung für die Teilnahme.

Das Cockpitgespräch

Bei der Inspektion sprechen wir auch mit dem Skipper und möglichst mit der ganzen Crew. Ziel ist festzustellen, dass neben dem Schiff auch die Crew ausreichend seetüchtig ist. Es ist keine mündliche Prüfung und keine Abnahme. Es gibt der Organisation ein besseres Bild der Teilnehmer und dir die Gelegenheit, offene Fragen zu stellen.

Illustration zur Sicherheit an Bord

Beispiel eines Sicherheitsplans: was liegt wo an Bord?